Aneignung – was ist das?

Wir kennen dies alle. Wenn wir ein neues Zuhause beziehen, fühlen sich die Räume zuerst fremd und unangenehm an. Dies ändert sich, wenn wir Ideen entwickeln, neu renovieren, eigene Gestaltung einbringen und einrichten. Durch das darin Zeit verbringen machen wir uns mit dem Raum vertraut. Die Aneignung eines Wohnraums ist dabei die Auseinandersetzung mit der Umwelt, der Beziehungsaufbau zwischen dem Bewohner und dem Raum. Die Räume werden zu einem Teil meiner Persönlichkeit und fühlen sich deshalb „eigen“ an.

Aneignung eines Wohnraums, Verwandle den Raum gemäß deinen Wohnbedürfnissen

Nun kann es aber passieren, dass die Aneignung eines Wohnraums nicht gelingt, obwohl wir ihn schön eingerichtet haben. Der Grund könnte sein, dass die Einrichtung und Gestaltung der Räume nicht unseren eigenen WOHNBEDÜRFNISSEN entspricht und lediglich Wohntrends folgt, von denen wir inspiriert sind.

Das Fremdfühlen in den eigenen Wohnräumen kann darüber hinaus auch die Folge von seelischer Belastung sein. Gerade der Auszug eines nahen Menschen z. B. nach einer Trennung, oder wenn jemand verstorben ist, kann das „Daheim-Gefühl“ massiv erschüttern. Liegt ein solcher Fall vor, ist es wichtig, dass wir uns aktiv unserem Zuhause zuwenden und es zurück erobern. Unsere Wohnräume gelten als unsere „dritte Haut“, nach der Kleidung als „zweite Haut“. Sie bedeuten die Erweiterung unseres Körpers und wir sollten uns in ihnen geborgen und geschützt fühlen. Es kann allerdings sein, dass wir bei der Bewältigung des Verlustes zuerst Unterstützung benötigen, bevor wir wieder aktiv werden können.

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Aneignung eines Wohnraums, Räume im Außen aber auch im eigenen Inneren einrichten

Durch die Arbeit an unseren Wohnräumen arbeiten wir immer auch in gewisser Weise an uns selbst, an unserem Selbsterleben und unserem Bewusstsein. Wenn wir renovieren, Möbel verrücken, aufräumen oder umgestalten, dann wirken wir dadurch intensiv auf unseren emotionalen Zustand ein (vgl.: D. Funke: Die dritte Haut. Psychosozial-Verlag Gießen 2014, S. 59 ff.). Sollte ein Ereignis oder eine sonstige seelische Belastung dieses „Daheim-Gefühl“ erschüttern, so ist es an uns, es uns wieder zurück zu holen.

Manchmal merken wir, dass wir in einem Raum Veränderungen bräuchten, um uns darin richtig wohl zu fühlen. Diese Impulse werden aber nicht selten unter alltäglich anfallenden Erledigungen und anderweitigem Druck begraben und vergessen. Übrig bleibt ein bewusstes oder unterbewusstes Gefühl beim Aufenthalt in diesen Bereichen, das übergangen wird. Alle Räume wirken auf uns und beeinflussen das Wohlfühlen, die Emotionen und Stimmungen, die nicht gestalteten Ecken genauso wie die gestalteten.

Wie können wir die Aneignung eines Wohnraums aktiv gestalten?

Im Falle von neu bezogenen Räumen ist die Grundlage zuerst einmal das gründliche Saubermachen aller Flächen und bereits eingebauter Schränke. Falls in den Räumen Stoffe (Vorhänge usw.) vorhanden sind, so sollten diese gründlich gewaschen werden, um alte Gerüche zu entfernen. Ein frischer Geruch, der uns bekannt ist, ist ein wichtiger Aspekt gelingender Aneignung.

Das Streichen oder Tapezieren schafft eine weitere Annäherung an unseren Wohlfühlraum. Welche Farben oder Muster sind mir angenehm, beruhigen mich oder regen mich an? Welche Texturen brauche ich in meinem Zuhause, um meine Sinne in angenehmer Weise anzusprechen? Wissen über die Wirkung von dunkler und heller Farbe an Wänden und Decken ist dafür vorab sehr hilfreich. Ein weiterer Nebeneffekt ist, dass sich dadurch ebenfalls alte Gerüche schneller verabschieden.

Manche baulichen oder sozialen Gegebenheiten können wir nicht beeinflussen. Daher ist ein wichtiger Aneignungsfaktor die Fähigkeit, Gegebenes hinzunehmen. Ziel sollte sein, im Rahmen der gesetzten Grenzen das Bestmögliche für alle Bewohner zu erreichen und dann die positiven Aspekte stärker gewichten zu können.

Wohnen und damit auch die Aneignung als wichtige Wirkfaktoren der Wohnpsychologie sind laufende Prozesse, die nie zu Ende sind, da wir uns permanent verändern. Unsere Lebensumstände verändern sich und damit auch unsere Bedürfnisse. Daher werden wir auch unsere Räume und Wohnbereiche immer wieder anpassen wollen.

Das Einrichten selbst muss nicht teuer sein. Meist kommt man mit dem aus, was bereits vorhanden ist. Ein Bewohner kann sich in seinen Räumen dann wohlfühlen, wenn er ansprechende und ästhetisch harmonische Kombinationen von Möbelstücken und Einrichtungsgegenständen findet und die richtigen Standorte dafür auswählt. Dabei geht Ausprobieren vor Theorie. Sitze, liege oder stehe einige Zeit Probe, um den Lieblingsplatz im Raum zu finden. Dort sollte dann z. B. eine Sitzgelegenheit oder Ähnliches erstellt werden. Dabei spielen die Raumsicht (was sehe ich?), der Lichteinfall, die Laufwege (sitze ich „im Weg“?) und der Wunsch nach Schutz (möchte ich eher in der Ecke oder mitten im Raum sitzen?) eine entscheidende Rolle. Wichtig ist in jedem Fall, dass du deine WOHNBEDÜRFNISSE kennst und beachtest. Dazu findest du hier einen interessanten Blogbeitrag. Richte dir nach und nach deine LIEBLINGSPLÄTZE in deinen Räumen ein. Auch dazu gibt es hier einen weiterführenden Artikel.

Ich wünsche dir den Blick und die Aufmerksamkeit für die Bedeutung der bewussten Gestaltung deiner Wohnräume, viel Lust und Kreativität bei der Umsetzung und ein maximales „Daheim-Gefühl“.

Deine wohnpsychologische Beraterin Christina Beckerle

Wenn du eine wohnpsychologische Beratung und/oder Hilfe bei deren Umsetzung wünschst, melde dich gerne über KONATKT bei mir.

Christina Beckerle • Wohnpsychologie • Homestaging

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