Wohnbedürfnisse und deren Umsetzung ausgehend vom Inneren zum Äußeren
In der Wohnpsychologie gehen wir von innen nach außen. Wir betrachten also zuerst dich als Individuum mit deinen Innenräumen, mit deinen ganz eigenen Wünschen und Vorlieben. Wer bist du und wie bist du gedacht? Was zeichnet dich persönlich aus? Welche Bedingungen solltest du beachten, um dich rundherum wohl fühlen zu können? Ich werde dir hier einige Wohnbedürfnisse und deren Umsetzung in den Außenräumen vorstellen. Wähle die aus, die auf dich zutreffen. Dabei können sich Wohnbedürfnisse ganz oder teilweise gegenseitig ausschließen, befrage dich in diesem Fall, was dir wichtiger ist. Die meisten können jedoch nebeneinander beachtet und verwirklicht werden. So kann dir dein Zuhause das volle Wohlfühlprogramm liefern. Unser Wohnen ist Ausdruck von vor allem drei inneren Grundbedürfnissen:
- Die Rückkehr an einen sicheren Ort,
- Schutz und Grenzen zu haben.
- Das Hinausgehen, das Verlassen bisher gewohnter Sicherheit, um mit dem Außen Kontakt aufzunehmen. (Vgl.: C. Guderian: Studie zum Raumerleben. Stuttgart 2004.)
Daraus ergeben sich verschiedene Wohnbedürfnisse:
Höhle – Wohnbedürfnis nach Sicherheit, Schutz und Beständigkeit

Brauchst du eher eine sichere Höhle, um dich richtig wohl zu fühlen? Wenn ja, dann solltest du auf Folgendes achten:
- Wähle kleinere Fenster, die nicht allzu einsichtig sind oder verwende alternativ blickdichte Vorhänge.
- Achte darauf, dass deine Außentüren ausreichende Sicherheit aufweisen
- Kleinere Räume mit niedrigen Decken geben Geborgeheit. Hier solltest du darauf achten, dass dies nicht einem anderen Wohnbedürfnis nach Freiheit und räumlicher Offenheit entgegensteht.
- Vor allem der Schlafbereich sollte in einem vernischten Bereich eingerichtet werden, der keinen Zugang von außen hat, um das Gefühl der Geborgenheit nicht zu stören.
- Eventuelle Garten-/ Terassen- oder Balkonbereiche kannst du durch geschickte Bepflanzung oder durch Zäune blickgeschützt gestalten.
- Hüte dich vor Überladung und Reizüberflutung, da deine Höhle dadurch bedrückend wirken könnte.
- Bei der Beleuchtung solltest du sanftes, warmes Licht bevorzugen.
Rückzugsort – Wohnbedürfnis nach Ruhe, Erholung und Vertrautheit

Brauchst du einen ruhigen Rückzugsort, um dich von den vielen Sinneseindrücken des Alltags und der Arbeit zu erholen? Wenn ja, solltest du auf Folgendes achten:
- Du solltest in deinem Zuhause Rückzugsorte schaffen, die auch verschlossen werden können, so dass sie für Gäste nicht zugänglich sind.
- Richte dir zusätzliche abgegrenzte Zonen in weiteren Räumen ein, die nur für die Bewohner und nicht für andere Menschen gedacht sind.
- Wähle eine reizarme Einrichtung: Weniger ist mehr!
- Wähle Gegenstände, an denen Erinnerungen und Gefühle hängen, bewusst aus und lass Überflüssiges los, um ein gewisses Maß nicht zu überschreiten, da sie sonst zur Belastung werden können.
- Wähle ruhigere, gemäßigtere Farben für die Innenraumgestaltung und Einrichtungselemete aus.
- Beachte den Sichtschutz bei Fenstern und Türen.
Gästeempfangsräume – Wohnbedürfnis nach Kontakt und Kommunikation

Möchtest du lieber ein Zuhause, das für Gäste zu jeder Zeit offen steht, indem die Kommunikation im Vordergrund steht? Wenn ja, könnten dir folgende Einrichtungstipps helfen:
- Sieh viel Platz für Gäste im Eingangs- und Garderobenbereich vor.
- Wähle einen großen Tisch im Essbereich.
- Gestalte ein gut ausgestattetes Gästebad und Gästezimmer.
- Schaffe verschiedene Bereiche, die ein Zusammenkommen ermöglichen: Eine große Couch und genügend Sitzplätze an unterschiedlichen Stellen.
- Präferiere ein offenes Raumkonzept, so dass du auch von der Küche aus an der Kommunikation teilhaben kannst.
- Die Beleuchtung sollte Gemütlichkeit ausstrahlen.
Visitenkarte – Wohnbedürfnis nach Sichtbarkeit, Öffentlichkeit und Repräsentation

Soll das Zuhause eine Art Visitenkarte für den eigenen Stil sein, der für Außenstehende gut ersichtlich ist, dann kannst du Folgendes tun:
- Finde deinen Stil, der Ausdruck deiner Persönlichkeit ist. Beachte dabei, was der Stil ausdrücken soll. Soll er deiner beruflichen Stellung angemessen sein und Eindruck hinterlassen, soll er vor allem anderen gefallen oder soll er Kunst besonders eindruckvoll ausstellen?
- Wähle großzügige Fensterfronten, die viel Einblick in deinen Wohnstil bieten: Beachte dabei, ob sich dieses Bedürfnis mit einem anderen Bedürfnis ausschließt (z.B. können große Fenster in der Dunkelheit bedrückend wirken, da sie fast schwarz erscheinen).
- Gestalte besonders den Eingangsbereich stilecht, da er den ersten Eindruck vermittelt.
- Präsentiere deinen Stil an markanten Stellen besonders eindrucksvoll mit Stillleben, bestimmten Dekorationselementen oder Kunst. Sieh dafür ausreichend Platz vor.
- Achte darauf, dass dein Einrichtungsstil nicht durch Unordnung oder Alltagsgegenstände, die nicht stilecht sind, verwaschen wird.
- Helles und punktuelles Licht richtet die Aufmerksamkeit auf ausgewählte Bereiche, die gezeigt werden sollen.
Natürlichkeit – Wohnbedürfnis nach Entspannung, Naturverbundenheit, Aufatmen und Erdung

Wenn du dich beim Wohnen mit der Natur verbunden fühlen möchtest, dann solltest du Folgendes beachten:
- Verwende naturnahe Materialien, wie Holz, Wolle, Leinen, Baumwolle, Sisal, Seegras, Kork usw. beim Bau, der Einrichtung und Dekoration, das sorgt außerdem für ein angenehmes Raumklima.
- Pflanzen dürfen in deiner Einrichtung nicht fehlen. Achte darauf, dass die Pflanzen zu dir passen und sie dir in Farbe, Gestalt und Eigenschaft gut tun.
- Wähle Farben vor allem aus der Palette der Naturtöne aus. Wenn du dich zusätzlich für natürlich hergestellte Wandfarben entscheidest, dann setzt du dich weniger Giftstoffen aus.
- Gestalte deine Räume mit einer Kombination aus verschiedenen Strukturen bei Stoffen, Möbelstücken oder sonstigen Einrichtungsgegenständen. Da wir täglich hundertfach die glatten Oberflächen der vielen Technik berühren, brauchen wir haptischen Ausgleich. Auch die Optik benötigt bei den gemäßigten Naturtönen der Einrichtung stärkere Reize durch Strukturen.
- Beim Blick aus dem Fenster wäre es ideal, direkt in die Natur zu schauen.
- Formen, die sich an der Natur ausrichten, sind weniger gerade und bestehen aus organisch geschwungenen Linien. Weniger Ecken im Raum und bei der Einrichtung lassen diesen außerdem weniger überladen und harmonischer wirken.
Kreativwerkstatt – Wohnbedürfnis nach Selbstverwirklichung und Selbstentfaltung

Möchtest du dich in deinem Zuhause kreativ ausleben und Räume nach Lust und Laune verwandeln können – gerne auch unkonventionell? Wenn ja, dann kannst du Folgendes tun:
- Gestalte mindestens einen Raum genauso wie du es möchtest, falls dies nicht ausreicht, dann gestalte weitere Räume, wenn das möglich ist.
- Sieh in mindestens einem Zimmer zusätzlich eine Kreativecke vor, in der du selbst zu jeder Zeit wirken kannst.
- Schaffe eine gute Grundlage für mögliche Raum-Umgestaltungen: Z.B. beim Streichen auch hinter den Schränken Farbe anbringen usw., da sich dein Bedürfnis je nach Lebenssituation ändern kann.
- Gestatte dir auch außerhalb der Norm zu denken: Eine Schaukel in der Küche, ein Ruderboot an der Wand, im Hängebett schlafen, mit Farben experimentieren usw..
- Versieh Möbel, wenn möglich, mit Rollen, um häufiges Umstellen zu erleichtern.
- Wähle modulare Einheiten, die miteinander frei kombinierbar sind, um ihren Standort jederzeit verändern zu können.
Wohnen für die Sinne – Wohnbedürfnis nach Ästhetik, Harmonie und Kontemplation

Wenn die Ästhetik im Vordergrund stehen soll, wie könntest du dies umsetzen?
- Halte dich an das von dir bevorzugte Farbschema.
- Stimme künstliche und natürliche Formen, Farben und Einrichtungsgegenstände miteinander ab.
- Suche Möbelstücke oder Kunstgegenstände, die dir gefallen auch nach ihrer Wirkung im Gesamtkonzept aus.
- Verstecke alle Gegenstände, die nicht in das Farbkonzept passsen oder deren Struktur unpassend ist in Schränken, Kommoden, Kisten oder Körben.
- Beachte beim Kauf von Gebrauchsgegenständen (Spülbürste, Bügelbrett, Putzeimer, Küchenhandtücher, Wasserkocher etc.), dass sie zum Einrichtungsstil passen.
- Beachte Abstände, hamonische Zusammenstellungen, Farbschemen, passende Materialien und Strukturen, Lichteinfall in den Räumen, das richtige Maß an Einrichtungsgegenständen, Form und Farbe von nützlichen Dingen usw., so dass sie ein harmonisches Ganzes ergeben.
- Richte dir, um die Harmonie deines Wohnens noch intensiver für dich nutzen zu können, einen Meditationsbereich ein, denn in deinem Zuhause ist dies an vielen Orten möglich
Wohnprägungen überprüfen
Welche Prägungen bezüglich des Wohnens hast du? Vor allem dein erstes Zuhause hat bezüglich deiner Prägung wahrscheinlich intensive Spuren hinterlassen. Wie sahen deine bisherigen Wohnungen aus? Hatten sie z. B. ein eher offenes Raumkozept oder waren alle Räume durch Wände voneinander getrennt? Wie war die farbliche Gestaltung? Welche Gewohnheiten im Bezug auf die Einrichtung oder die Art des Wohnens möchtest du bewusst beibehalten, da sie dir Sicherheit vermitteln? Welche möchtest du vielleicht bewusst eintauschen gegen andere dir wichtigere Wohnbedürfnisse?
Wohnträume überprüfen

Was ist dein persönlicher Wohntraum? Wie würdest du gerne wohnen? Woher stammen deine Inspirationen? Sind diese realistisch umsetzbar? Bringe sie mit deinen Wohnbedürfnissen in Einklang und setze sie in dem für dich richtigen Maß um.
Dies ist ein Auszug aus den möglichen Wohnbedürfnissen, die durch bewusste Beachtung dein „Daheim-Gefühl“ aktiv intensivieren können.
Wenn du mehr über dich und deine Wohnbedürfnisse und deren Umsetzung erfahren möchtest, empfehle ich dir eine wohnpsychologische Beratung. Möchtest du dabei meine Unterstützung, würde ich mich freuen, dich beratend und handelnd begleiten zu können. Nimm hier gerne KONTAKT auf.
